Zwischen Tourismus und Tierschutz - Welchen Weg schlägt Osttimor ein?
Das Verhalten von Booten und das Schwimmen mit Walen in Osttimor generell hat in den letzten Wochen einiges an Kritik hervorgerufen und wurde in Artikeln wie demjenigen von Robin Hicks in Mongabay zusammengefasst: https://news.mongabay.com/2025/12/unregulated-tourism-risks-disrupting-timor-lestes-whale-migration/
Viele der Kritikpunkte sind auch berechtigt, wobei einiges unserer Meinung nach auch schlimmer dargestellt wird als es in Wirklichkeit ist. Man kann durch die aktuelle Berichterstattung den Eindruck bekommen, dass Tiere permanent bedrängt würden, was nicht der Fall ist. Auch werden die finanziellen Verhältnisse so dargestellt, als würden nicht viele Timoresen vom den Touristen profitieren. Dass aber auch viele Hotels, Restaurants und Transportunternehmen von den Touren profitieren, wird nicht erwähnt.
Nichtsdestotrotz ist es gut & wichtig, dass jetzt vor allem die Missstände auf dem Meer angeprangert werden. Noch vor 10 Jahren hatte kaum jemand Osttimor auf dem Radar für Walbeobachtung. Sogar noch 2019 waren nur sehr wenige Boote unterwegs und Gruppentouren gab es noch praktisch keine. Aber im Zeitalter von Instagram bleiben solche Geheimnisse nicht mehr lange verborgen. Waren 2024 noch 6-7 Boote unterwegs, waren es 2025 schon um deren 10. Trotzdem ist das Whale-Watching in Osttimor noch in den Kinderschuhen und wir haben jetzt die grandiose Möglichkeit, verbindliche Regeln aufzustellen und Leute richtig zu trainieren, damit Osttimor ein Vorzeigemodell des Waltourismus werden kann. Niemand will Zustände wie z.B. in Mauritius und wir müssen solche Entwicklungen unbedingt verhindern.
Hierbei werden wir von Moby Wildlife Tours versuchen, eine Vorreiterrolle einzunehmen und schlagen verschiedene Regeln und Ideen vor, die allen Beteiligten (Tieren und Gästen) eine angenehme Erfahrung ermöglichen sollen:
Richtig trainierte Captains: Kaum ein Captain oder Skipper in Osttimor ist wirklich trainiert, sich um Meeressäuger richtig zu verhalten. Das gilt nicht nur für die lokalen timoresischen Skipper, sondern auch für die ausländischen. Wir werden in den nächsten Jahren professionelle Whalewatching-Captains nach Osttimor bringen und wer zuhören will, dem geben wir das Wissen gerne weiter. Dazu wollen wir lokale timoresische Skipper ausbilden.
Nur 3 Boote um eine Gruppe Wale: Heute kommt es vor, dass auch mal 6 oder noch mehr Boote bei einer Gruppe Wale sind. Dies wollen wir auf 3 Boote einschränken. Weitere Boote können zwar dazukommen, müssen aber in einem Abstand von mind. 500 Metern warten. Sobald eines der drei Boote sich verabschiedet, kann ein anderes Boot dessen Platz einnehmen. Hier kann man ggf. auch noch ein Zeitlimit von ca. 1-2 Stunden pro Boot einführen.
Kein Beschleunigen, um vor die Wale zu kommen: Oft beschleunigen Boote, da sie auf selber Höhe oder sich sogar hinter den Walen befinden, wenn diese an die Oberfläche kommen. Dieses Verhalten wollen wir unterbinden. Wenn man in keiner guten Position ist, wenn das Tier an die Oberfläche kommt, so soll man das Schauspiel einfach an Ort und Stelle geniessen. Wer sich 150 Meter vor dem Tier befindet, ist hingegen in einer guten Position, um die Gäste ins Wasser zu lassen. Motor ausschalten, Gäste langsam ins Wasser und die Tiere auf sich zukommen lassen.
Kollegiales Verhalten: Es ist für alle Skipper & Gäste angenehmer, wenn man sich respektvoll und rücksichtsvoll verhält. Dazu gehört anderen Booten den Vortritt zu lassen und auf den eigenen Moment zu warten und sich abzuwechseln, die Gäste ins Wasser gleiten zu lassen.
Workshops: Wir planen vor der Saison einen Workshop abzuhalten, um die obigen Punkte vorzustellen. Natürlich können wir niemanden zwingen, teilzunehmen, hoffen aber trotzdem, dass uns die anderen Veranstalter zuhören.
Die Rolle der Regierung: Es wäre sehr hilfreich, wenn die Regierung Initiative zeigen und verbindliche Regulierungen einführen würde. Durch Regeln und bspw. die Präsenz eines Polizeibootes würde die Situation massiv entschärft und die Aggressivität einiger Boote stark gemindert werden.
Das Meer um Osttimor ist wahrlich eine einzigartige Region unserer Erde. Tiefblaues Wasser, atemberaubende Korallen, Heimat von Pottwalen, verschiedenen Delfinarten und insbesondere im Oktober und November auch der beste Ort der Welt, um migrierende Blauwale zu sehen. Schauen wir zu, dass es auch so bleibt. Denn wenn die Zustände in Richtung Mauritius gehen, sollte das Schwimmen mit Walen auch komplett verboten werden. Und ob dann überhaupt noch irgendjemand den Weg um die halbe Welt nach Dili auf sich nimmt, ist mehr als zweifelhaft.